“You press the button…” (use without instructions)

Das Marketingversprechen aus der “guten alten Zeit” hat sich bis heute nicht nur erhalten – meine neue kleine Nikon-Systemkamera 1 V1 weiß beim Blick meines Auges durch den Sucher schon ganz genau, was ich fotografieren will. Nur das Fokussieren auf eine Gebäudefassade fällt ihr schwer, ihre Wahl fällt auf die weiße Birke, knapp 3 Meter davor.
Das kann bei schlechtem Licht “ins Auge gehen”…

Eigentlich suchen die umher huschenden Autofokus-Rähmchen Gesichter. So hat man das der Kamera im Werk in die Wiege gelegt. Japanische und südkoreanische Kameraingenieure versuchen mit nicht immer 100%igem Erfolg, uns die Last der fotografischen Basics von der Schulter zu nehmen.

Dabei war (so lange ist es noch gar nicht her) ein Fotoapparat ein Fotoapparat.

Bitte denken Sie bei der Betrachtung der nächsten Folie an das Eastman’sche Marketingversprechen. Und an die Wahrscheinlichkeit, der Kamera eventuell nicht die richtige Einstellung “verpasst” zu haben.

Ich beneide die Verkäufer in den Fotofachgeschäften nicht (die Kamera hat man bzw. Frau natürlich zum Schnäppchenpreis online gekauft), die ihrer Kundschaft die Funktion dieser technischen Wunderwerke begreifbar machen wollen. Das knapp 300seitige PDF-Dokument liest keiner, legt es nach den ersten fünf Seiten wieder zurück ins Regal seiner Festplatte.

Deshalb arbeiten die Fotografinnen und Fotografen der digitalen Neuzeit immer noch getreu dem KODAK-Slogan: “… we do the rest!”

Die Kamera bleibt getreu der “first steps” im “intelligenten Automatikmodus” und macht daneben was sie will. Sie blitzt nach Gutdünken, stellt auf Gegenstände scharf, die ihr gefallen…

Für viele Benutzer ist das unbefriedigend. Man hat doch Geld bezahlt für eine Kamera A, die nach den Tests von XYZ besser abschneidet als die Kamera B. Schade um das Geld – da hätte es die einfachste Knipse vom Discounter A… oder L… getan.

In meinen Volkshochschulkursen versuche ich, den interessierten Teilnehmern das komplizierte Seelenleben ihrer Digicams näher zu bringen. Um in kundigen Händen daraus wieder einen bildgestaltenden Fotoapparat zu machen.

Im Dezember 2012,
bevor sich Tausende wieder eine “we do the rest”-Camera unter den Weihnachtsbaum legen. Natürlich mit den besten Absichten…

Michael Kurz

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