Aufgabenstellung Innenaufnahmen

An dieser aktuellen Aufnahme (öffentliche Veranstaltung im Bürgerhaus Unterweissach) wird die anspruchsvolle Aufgabe von Innenaufnahmen an mehreren Aspekten direkt sichtbar.

Komplexe Aufgabenstellung für den Fotografen: Innenaufnahme (Bild anklicken)

  • Belichtung
    Das vorhandene Licht in Innenräumen reicht selten aus, ausreichende Lichtmengen auf den Kamerasensor zu bringen. Der kamerainterne Miniblitz ist unbedingt zu deaktivieren, auch die Lichtleistung eines externer Systemblitzes (ca. 40 W./Sek. beim NIKON SB-900) verpufft geradezu in großen Räumen. In Ausnahmefällen hilft es, den Blitz gegen die hoffentlich weisse Decke zu richten.Kompaktkameras ohne Blitzzubehörschuh bieten diese Möglichkeit nicht. Aber selbst die sogenannten Vollformat-DSLR mit ihren 24x36mm großen Sensorflächen kommen hier an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit.

    Lichtmenge ist das summenmäßige Ergebnis aus Blende (Größe der Objektivöffnung) und Dauer der Belichtung (Belichtungszeit). Jeder Kamerasensor benötigt zur Erzeugung eines technisch optimal belichteten Bildes eine ausreichende Menge Licht. Die Lichtempfindlichkeit kann durch elektronische Verstärkung (ISO-Einstellung) angehoben werden, im Ergebnis wird die Bildqualität dadurch negativ beeinflusst (Dynamik, Rauschen).

    Hier wurde die Empfindlichkeit des Sensors auf 1.600 ISO “gepusht”. Um mit Blende 8 (großer Tiefenschärfenbereich) arbeiten zu können, ging ich bei der Belichtungs- zeit auf 1/30 Sekunde. Abgesehen von der Verwacklungsgefahr für bewegungs-dynamische Motive nicht zu empfehlen.

  • Motivkontrast
    Unser Auge gaukelt uns unproblematische Lichtverhältnisse vor. Nachdem es sich an die herrschende Lichtverhältnisse gewöhnt hat, wird das grelle Außenlicht nicht mehr wahrgenommen – wir sehen subjektiv. An dem obigen Bildbeispiel sehen Sie, dass der Motivkontrast den Dynamikumfang (Blendenwerte) des Kamerasensors übersteigt.

    Die hellen Fensterflächen kommen sehr hell, verblassen, sind “ausgefressen”. Ohne Tricks (Mehrfachbelichtung) oder intensive Nachbearbeitung mit Photoshop & Co. kann das Problem des zu großen Motivkontrasts nicht gelöst werden. Entscheiden muss sich deshalb der Fotograf, auf was er belichtet. Mit der Belichtungskorrektur der Kamera kann er “gegensteuern”.

    Diese Innenraumaufnahme dagegen konnte ohne Lichtprobleme erstellt werden.

    Stadtbibliothek Stuttgart: Ideale Ausleuchtung und moderater Motivkontrast

  • Weissabgleich
    In Innenräumen dominiert die Lichtfärbung künstlicher Lichtquellen und großflächiger Reflektionsflächen (Wände, Decken, Fußbodenbeläge, Vorhänge, etc.). Direktes Tageslicht, das durch die Fenster fällt, sorgt für Mischlicht. Für den Fotografen eine relativ komplexe Situation, da er selbst mit einem manuellen Weissabgleich nur punktuell für eine neutrale Farbwiedergabe sorgen kann.
  • Bildschärfe
    Als Folge der spärlichen Lichtversorgung (s. oben) bewegen wir uns belichtungstechnisch im Grenzbereich. Wichtig ist eine Arbeitsblende, die einen möglichst großen Schärfentiefenbereich gewährlistet.Bewegungsunschärfe können wir vermeiden, wenn wir unsere Kompaktkamera mittels Stativgewinde (am Kameraboden) und einem Klemm-/Tischstativ ausreichend fixieren. Ausgelöst wird sicherheitshalber über den Selbstauslöser, dann wackelt garantiert nichts. In manchem kleinen Badezimmer kann so aus der Badewannenecke noch eine raumfüllende Innenansicht gezaubert werden.
  • Perspektive
    Die Problematik der stürzenden Linien finden wir hier ebenfalls, besonders wenn wir im Extremweitwinkelbereich die Kamera neigen.Raumwirkung erzeugen wir mit einem zweidimensionalen Bild durch die Staffelung vom bildwirksamen Vordergrund in die Tiefe des Raumes. Die Nutzung der Raumdiagonalen verstärkt diesen Effekt.Die Höhe der Kamera sollte sich an der menschlichen Perspektive (in Augenhöhe) orientieren. Um eine unerwünschte Neigung der Kamera zu vermeiden, ist es unter Umständen sinnvoll, die Kamera auf der halben Raumhöhe zu positionieren. Bei einer Deckenhöhe von ca. 250cm ergibt sich also eine Aufnahmehöhe von 125cm.  Verzeichnungen durch das Objektiv sind so minimal.
  • Schnitt
    Bei Innenansichten verhält es sich wie mit den Außenansichten. So oder so – selten planen Architekten ihre Wohnobjekte so, dass sie das Höhen-/Seitenverhältnis unserer Kameras und Bildschirme optimal ausfüllen.Gelingt es zumindest bei Aussenansichten, das gesamte Objekt mit der Kamera zu erfassen – eine Innenraum-Rundumsicht mit 360 Grad schaffen nur spezielle Panoramakameras. Das ist aber bei Wohnobjekten auch nicht nötig, wir fassen funktionale Einheiten (Esstisch, Sitzgruppe, Kaminecke, Waschtischgarnituren, Kochbereich, etc.) zusammen.

Autor:
Michael Kurz

 

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