Große Kamerahersteller am Scheideweg

Mein Kommentar eines aktuellen Artikels zur derzeit stattfindenden Photokina in Köln:

Es ist logisch (=ökonomisch nachvollziehbar), dass nicht gerade die alten Platzhirsche von Nikon&Co. das Feld der spiegellosen Systemkameras für sich neu besetzen. Innovation meets Nostalgy. Auch wenn sich z.B. SONY in den Miniaturisierungsdrang mit seinen kleinen Vollformat-Kameras fanatisch verrennt bzw. verläuft… (ein 2.8er mit ordentlicher mittlerer Brennweite geht eben nicht leichter bzw. kleiner)

Ein professionelles Bildaufnahmegerät muss auch danach aussehen (voluminös und schwer). Sonst erkennt kein Fotokunde mehr den Unterschied zwischen einem Hobbyknipser und dem echten Lichtbildner. Mein lichtstarkes 85er erzeugt rein optisch wenig Ehrfurcht vor fotografischer Kompetenz, erst ein Paparazzo-Rohr mit den zugehörigen Ausmaßen hebt den Fotografen aus der knipsenden Hobbyfotografen heraus. Marketing….

Die arrivierten Marken setzen nach wie vor auf diesen Effekt. Das Volumen, Gewicht und Auslösegeräusch einer DSLR vermittelt den Retrocharme materialintensiver mechanischer Säge-/Trennwerkzeuge. Die fotografische Steinzeit ist vorbei – das haben die jungen Ingenieure in Südkorea nicht nur verstanden, sondern befinden sich bereits in einer Umsetzungsphase.

Bei Canon&Co. (jetzt andersrum) sind es noch die alten Hirsche, die in den späten 70ern, dann in den 80er die letzten europäischen Kamerahersteller aus dem Markt gedrückt haben. Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit…..

Die Zeit der DSLR ist längst abgelaufen. Rein funktional ist ein fotografischer Aufnahmeapparat nur noch die optimerte Synthese von Optik und einem guten Sensor samt perfekter jpg-engine. Entscheidend ist, was hinten raus kommt – das ist das Zitat eines deutschen Politikers der Wendezeit.

Aber entscheidend ist auch, was mit dem, das da hinten heraus kommt bezweckt bzw. beabsichtigt ist. Wenn ich als Fotograf mit 36 Mio. Pixel an der Quelle nur das Smartphone meiner Kundin füttere, dann ist Nachdenken angesagt. Auch im Web…

Hasselblad war das Zeitalter in den Spätfünfzigern – spätestens wenn die letzten Druckereien den Massenoutput in Ermangelung von Rohstoffressourcen reduzieren, wird sich die Erkenntnis breit machen, dass nicht nicht nur ein gedrucktes Bild ein Bild ist.

Manches von dem was wir schätzen ist “yesterday”. Je länger wir daran festhalten, um so mehr blockieren wir den Weg in ein Morgen, das gnadenlos alles auf den Prüfstand stellt. Bilder wird es immer geben – statisch oder bewegt als Clip. Und immer weniger, die als ausbelichtetete Großformate an der Wand hängen.

Mach’ Dir ein Bild und nutze den Augenblick. Morgen ist anders…